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1815. Toulon: Javert (Russell Crowe) und Jean Valjean (Hugh Jackman) besprechen Valjeans Entlassung. Valjean stellt einen Mast auf. Sie singen.

1823. Montreuil-sur-Mer: Valjean hebt eine Kutsche an, um einen darunterliegenden Kutscher zu befreien. Javert schwant etwas. Sie singen.

1832. Paris: Javert spitzelt unter den Revolutionären und wird erkannt. Valjean lässt Javert frei. Sie singen.

Bei all dem Geschmettere von herzzerreißenden Liedern weiß man erstaunlicherweise nicht, was eigentlich in Javert vorgeht – und das liegt nicht daran, dass Russell Crowe so grausig singt. Zugegeben, sein Gekrächze stört, da man deswegen Mitleid mit der Figur des Javert hat. Aber was hat er eigentlich gegen Valjean? Wenn ihm nur seine mangelnde Gesetzestreue gegen den Strich geht, sollte er seinen Hass fair auf alle seine Gefangenen verteilen. Ich muss annehmen, dass es etwas Freudianisches ist und durch Valjeans imposantes Aufstellen des Masts zu Beginn ausgelöst wurde.

Von den vielen nutzlosen Konfrontationen der beiden abgesehen, ziehen die anderen Lieder einen durchaus in ihren Bann. Gerade so sehr, dass man auf dem Heimweg an einem Bettler vorbeigehen kann, ohne etwas zu geben, da wir ja sowieso alle Brüder sind und man schon im Kino eine Träne für ihn vergossen hat.

Die Liebesgeschichte bleibt dem jungen Schnösel und der höheren Tochter vorbehalten, die Proletarier dürfen als singendes Lokalkolorit schmettern und dann abtreten. Ich sage noch nicht einmal, dass das nicht realistisch ist, ich möchte nur nicht, dass es mir als revolutionär verkauft wird.

Samantha Barks als Éponine

Dabei sind gerade die Darsteller in den kleineren Rollen – man möchte sie nicht Nebenrollen nennen – umwerfend – Samantha Barks, die die Éponine schon auf der Bühen gespielt hat, Aaron Tveit als Revolutionär Enjolras und Daniel Huttlestone als Gavroche.

Tom Hoopers Entscheidung, die Lieder am Set aufzunehmen, hat sich gelohnt, auch wenn das für die Sound-Abteilung (Simon Hayes) eine besondere Herausforderung dargestellt hat:

So wird das Singen weniger theatralisch und dafür lebensechter.

Aber die Frage die sich stellt, als der gütige Bischof von Digne Valjean seine goldenen Kerzenleuchter gibt, warum die Kirche 26 Jahre nach der Säkularisation schon wieder Schränke voller Gold hat, ist nicht geklärt.