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Hanna Arendt

Vielleicht ist die Feder mächtiger als das Schwert, vielleicht sagt ein Bild mehr als tausend Worte, aber ganz sicher ist der Zoom der beste Freund des Regisseurs in der bleischweren Welt von Margarete von Trotta.

Denn wie sonst stellt man Betroffenheit dar in diesem visuellen Medium – und darum geht es hier, wie sehr die Regisseurin in Interviews auch betont, dass sie das Denken habe sichtbar machen wollen und dass sie das Hannah-Arendt-Zitat vom Denken ohne Geländer so schätze – von Trotta gehört zum intellektuellen Fußvolk, traut dem Zuschauer nichts zu, nimmt ihn dabei aber nicht mütterlich an der Hand sondern umklammert wie eine böse Stiefmutter fest seinen Nacken und stösst ihn mit der Nase auf das, was abgearbeitet werden muss.

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Böse Menschen sagten, Hannah Arendt habe kein Mitgefühl mit den Opfern des Holocaust, aber sie hat es ja wohl, hier, man sieht es,

Hannah Arendt2hier, man sieht es noch näher, jetzt sind wir ganz nah dran, ist es jetzt deutlich?

Wirklich fasziniert scheint von Trotta aber vom Privatleben Arendts zu sein: Geht ihr Mann fremd? Konsumiert er öfter als zwei mal die Woche Fleisch? All das ist wichtig. Und muss besprochen werden.

Axel Milberg scheint zu ahnen, dass hier doch etwas Dramatik nötig ist und wirft sich mit viel Gusto in eine Szene, in der sein Charakter einen Herzanfall bekommt. Wie er mit seinem fetten Wanst zwischen Couch und Couchtisch herumrollt ist schon beeindruckend. Ich nehme an, dass es eine schmerzliche Erfahrung war, aber ich weiß es nicht genau, da der Zoom auf seine Augen gefehlt hat.

Alles ist dick aufgetragen, sperrig, teutonisch und bieder … Die einzige, die bei diesem Deklamierwettbewerb eine saubere Weste behält, ist Julia Jentsch. Wie bei einer Lotusblüte perlt alles Unechte von ihr ab und lässt den Zuschauer hoffen – dass vielleicht von deutschem Boden nie wieder ein so schlechter Film ausgeht.

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