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Animation von Cartoonamoon, Ali Soozandeh

Vor Jahren hatte ich schon einmal einen Bericht über Shin Dong-Hyuk gelesen, einen jungen Mann, der im Gefangenenlager Camp 14 in Nordkorea auf die Welt kam, schon als Kind zur Zwangsarbeit abkommandiert wurde, der hungern, öffentliche Hinrichtungen mit ansehen, seine Mutter und seinen Bruder verraten musste und trotzdem gefoltert wurde. – Ich hatte mich gefragt, wie ein solcher Mensch wohl aussehen würde und die selbstverständliche Antwort ist: Auf den ersten Blick ganz normal. Einer der vielen erstaunlichen Momente in Marc Wieses Dokumentarfilm Camp 14 – Total Control Zone zeigt ihn vor einem Publikum in Genf wie er von den Verhältnissen im Lager erzählt und danach artig mit Zuhörern für Fotos posiert.

Aber natürlich ist er von seinen Erinnerungen und von der Gegenwart gequält – in Südkorea, einem Land, in dem wie er sagt, sich Menschen das Leben nehmen, anders als im Lager, wo alle am Leben hängen. Und wie der Protagonist in Imre Kertesz‘ Roman eines Schicksalslosen hat auch er manchmal Heimweh nach dem Lager.

Marc Wiese muss erstaunliches Geschick und Einfühlungsvermögen besitzen, denn er bringt nicht nur das Opfer dazu, sich ihm zu öffnen, sondern auch zwei Täter, einen Wärter und einen Geheimdienstmitarbeiter. Neben all den Grausamkeiten von denen sie berichten, der Folter, den Schlägen, den Frauen, die aus Hoffnung auf eine Erleichterung ihrer Haftbedingungen mit ihnen schlafen und dann aber von ihnen zu Tode gepeitscht werden, hätte mich doch auch interessiert, was sie hat umdenken lassen und warum sie jetzt nicht mehr in Nordkorea sind.

Genauso wie mich interessieren würde, wie ein Gefangener der die Welt draußen nie gesehen hat, sich bei seiner Flucht über die Grenze in ein anderes Land durchschlagen kann. Ich zweifle die Geschichte nicht an, ich wundere mich nur, wie so etwas möglich ist.

Der weiterführende Link

Los Angeles Times-Korrespondentin Barbara Demick interviewte für ihr Buch Nothing to Envy sechs nordkoreanische Überläufer. „Fast alle wollen zurück.“, sagt sie.

Nordkorea war das erste Ziel in Ben Andersons sechsteiliger Serie Holidays in the Axis of Evil:http://youtu.be/nl_TXYoHXxg.