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Brandon hat neben seinem Vollzeitjob noch einen weiteren Vollzeitjob als Sexsüchtiger. Diese Doppelbelastung macht ihm schon zu schaffen, da schneit die dritte Last in seine Wohnung (die er unverändert von Mickey Rourke aus 9 1/2 Wochen übernommen hat): Seine Schwester Sissy.

Irgendetwas ist in der Kindheit von Brandon (Michael Fassbender) und Sissy (Carey Mulligan) geschehen, irgendetwas was ihn heute kühle blaue Farben und sie rote goldene Töne bevorzugen lässt. Der Film erklärt es nicht, er hält Distanz, und wenn wir darüber erleichtert sind, dann sind wir vielleicht ein wenig wie Brandon – wir ergötzen uns an ein wenig Intimität, aber zu viel würde belasten. Too much information, wie die Amerikaner sagen, oder mit etwas Sarkasmus: Thanks for the oversharing!

Unvorsichtigerweise – ein Indiz, dass hinter all dem Sexuellen wirklich eine Sucht steht – benutzt er seinen Bürocomputer für Pornos. Wirklich entsetzt ist er aber erst, als seine Schwester seinen Vorgesetzten in seine Wohnung bringt. Eine rücksichtslose Tat von einer der zwei Personen in diesem Film, die Reden über den Wert von Beziehungen halten. Die andere lebt zu dem Zeitpunkt in Scheidung. Deswegen weiß ich nicht, ob Shame ein Film über einen Sexsüchtigen ist, oder über einen Klarsichtigen, der in einer Welt der heuchlerischen Beziehungssüchtigen lebt.

Die Bilder von Sean Bobbitt gehören eigentlich auf die große Leinwand, aber schon um zu sehen, wie Michael Fassbender seinen Charakter auf dem Weg nach unten gestaltet, lohnt sich die DVD. Die unnötigen Interviews mit Stab und Besetzung, die sich wohl alle sehr mögen, inspirieren neues Misstrauen gegen Beziehungen, nur auf einer anderen Ebene.

Shame erscheint am 13. September auf DVD.

http://www.shame-derfilm.de/