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Cyrils Lage ist wirklich trist: Nicht nur hat ihn sein Vater (Jérémie Renier) verlassen, er hat ihm auch noch das Fahrrad weggenommen. Noch nicht mal in de Sicas Fahrraddieben haben die Väter ihren eigenen Söhnen das Fahrrad geklaut. Natürlich fällt es leicht zu sagen, dass man sich ja hier in einem Dardenne-Film befindet, und da sind die Dinge nun mal trist (immerhin ist Jérémie Renier derjenige, der in L’Enfant sein eigenes Kind verkauft hat). Aber trotzdem wissen wir an keiner Stelle, was sich hinter der nächsten Biegung des Wegs verbirgt. Die Spannung baut sich ungehindert auf – wird Cyril sein Sinn für Loyalität zum Verhängnis? Kann ihm die Friseurin die ihn am Wochenende betreut (Cécile de France) helfen?

Die Dardennes verfallen nicht in billiges Psychologisieren, schlüsseln die Motivation der Friseurin nicht auf, die viel aufgibt, um einem fremden Kind zu helfen. Trotz all den zwielichtigen Typen ihrer Filme (und es liegt nicht nur daran, dass wir uns in Belgien befinden, wenn einem jedes Mal, wenn ein Kind jemandem in den Wald oder in eine Wohnung folgt, das Herz in die Hose sinkt) zeigen sie doch ein erstaunliches Vertrauen in die Menschheit.

Das Vertrauen in ihre Schauspieler ist vollkommen gerechtfertigt. Warum ist es eine Überraschung, dass Cécile de France ihre Friseurin so überzeugend spielt? Es sollte keine sein, andere Friseurinnendarstellerinnen haben ihren Beruf ja auch gelernt. Die große Entdeckung ist Thomas Doret als Cyril, verschlossen, eigensinnig und so leicht zu manipulieren. Ich glaube gerne, dass der Junge ein Naturtalent ist, aber da auch Youssef Tiberkanine so glaubhaft den Nachbarsjungen, der Freundschaft schließen will, porträtiert, müssen die Dardennes schon ein besonderes Talent haben, ihre Schauspieler zu führen.

Der Junge mit dem Fahrrad erscheint heute auf DVD.