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„Sieh mal, der Sonnenaufgang,“ sagt der Sohn zu seinem Vater als sie gemeinsam vom Markt zu ihrem Restaurant fahren. „Nein, die Sonne geht erst in einer Stunde auf.“, antwortet der Vater. Draußen wird es hell.

In dieser einen Szene liegt schon fast die ganze Thematik von Entre les Bras, Paul Lacostes Film über die beiden Bras-Köche, Vater Michel und Sohn Sébastien – die Hingabe der beiden Männer, die Poesie der Landschaft und der Vater, der alles besser weiß.

Seine Autorität ist unumstritten, er wurde mit drei Sternen ausgezeichnet, hat Gargouillou, das angeblich beste vegetarische Gericht der Welt, erfunden und seine Innovationen gegen die angeblichen Gesetze der französischen Küche verteidigt, aber nun ist der Moment gekommen, da er den Kochlöffel an seinen Sohn abgibt. Der hatte zwar die Chance, beim Meister zu lernen, muss es aber damit bezahlen, dass der ihm sein Leben lang über die Schulter schaut.

Sébastien und Michel Bras in Entre les Bras

Paul Lacostes Film ist manchmal zu leise und meditativ, für meinen Geschmack sehen wir Vater und Sohn zu oft in der Landschaft des Aubrac sinnen und über Kühe nachdenken. Und plötzlich stehen sie dann in Japan und geben dort Kochkurse. Ein paar Worte der Erklärung hätten da geholfen.

Aber der Film lebt von der Begeisterung der beiden Köche, ihrer Faszination von lokalen Produkten sowohl in Frankreich als auch in Japan. Im Gegensatz zu Ferran Adrià scheinen sie auch Gerichte zu kochen, die man wirklich gerne essen möchte und für die man keinen Restaurantkritikergaumen braucht.

Ein wenig zu kurz kommt die weibliche Seite. Schließlich geht nicht nur die Küche in neue Hände über, der Service wechselt auch von den Händen der alten Madame Bras in die der neuen. Und, noch wichtiger, wir sehen gegen Ende kurz wie Sébastians Küche von der seiner Mutter und Großmutter beeinflusst ist, wie er deren Brote mit Brombeermarmelade und Käse neu interpretiert, aber es bleibt nur eine Fußnote. Davon hätte ich gerne mehr gesehen.