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Roberta Torre, Pino Micol und im Hintergrund die Madonna

Der erste Blick ist der, den die Madonna über einen Platz in der Satellitenstadt Librino nahe Catania schweifen lässt, aber der Bilick, der einem im Gedächtnis bleibt, ist der von Manuela (Carla Marchese). 13 Jahre alt, Mädchen für alles im Friseursalon, mit einer älteren Schwester und einer keifenden Mutter geschlagen, transportiert ihr verächtlicher Blick den Zuschauer direkt wieder in die eigenen Teenagerjahre. So war das also, ich erinnere mich. Und ich habe noch nicht mal eine Schwester.

Was die Handlung in Gang bringt, ist aber nicht Manuelas Blick, sondern das, was sie angeblich im Traum sieht – den abgeschlagenen Kopf der Madonna in seinem Versteck. Ein Wunder! Mutter und Kirche sind fix dabei, die kleine Bernadette zu benutzen. Der wunderbare Pino Micol gibt den imagebewussten Priester höchst witzig und Donatella Finocchiaro hat ihre sizilianische Mamma, die sich nach Geld und Liebe sehnt, risikofreudig „zwischen Realität und Comic“ angesiedelt, wie sie selbst sagt. Carla Marchese wird man hoffentlich noch öfter sehen: So viel Lässigkeit, so viel Verachtung. Was könnte ihre nächste Rolle sein?

Carla Marchese in I baci mai dati

Carla Marchese als Manuela – so nachdenklich ist sie nur alleine

Roberta Torres Film ist außergewöhnlich und unterhaltsam, ein Sittengemälde und eine Mutter-Tochter-Geschichte in einem, mit Bildern aus dem Innern einer Kirche (Kamera: Fabio Zamarion), die witzig, bedrohlich und überraschend zugleich sind. Ich dachte, da könnte man mich nicht mehr überraschen.