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Snow Flower und Lily - Der SeidenfächerWenn das Kino etwas braucht, dann ist es ein Film über Frauenfreundschaften, aber Der Seidenfächer ist eine Enttäuschung. Ein Roman von Lisa See über zwei Frauen im heutigen Schanghai, die ebenso wie zwei Frauen (Snow Flower und Lily) im China des 19. Jahrhunderts zu Laotongs, sogenannten Schwurschwestern, werden, war die Vorlage für Wayne Wangs Film.

Nach einer alten Tradition kommunizieren die Frauen aus der Vergangenheit in der geheimen Sprache Nüshu miteinander, die sie auf einen Seidenfächer schreiben, den sie immer wieder hin und her schicken. Sie haben sich nur leider wenig erquickliches zu sagen: Hier wütet gerade eine Typhusepidemie, hei0t es einmal. (Eigentlich sollte die Antwort dann heißen: Komisch, hier auch, einige Tage nachdem der Postbote deinen Fächer gebracht hat musste er sich mit Fieber hinlegen.)

Die Inszenierung ist schlampig: An einer Stelle flieht die Bewohner eines Dorfes vor den Rebellen. Wir sehen den beschwerlichen Trek in die Berge, die Frauen, die nachts um das Feuer kauern und dann den Schnitt auf ein erfrorenes Kind unter einer Schneedecke – hätte man es doch auch ans Feuer gelassen! Und nach dem Abzug der Rebellen erscheint unsere Heldin Lily im völlig unbefleckten Paradedress.

Noch plumper ist die Gegenwartsgeschichte: Zur Disqualifikation reicht eigentlich schon, dass eine Frau nach einem Streit einen Unfall baut. Jaja, Emotion und Frau am Steuer, das ist keine gute Kombination. Vielleicht war auch noch Vollmond? Offensichtliche Parallelen werden immer wieder präsentiert, als wären es die Erläuterungen zum Film und nicht der Film selbst: In der Vergangenheit wurden den Frauen die Füße gebunden, die Frauen heute zwängen sich freiwillig in enge unbequeme Schuhe. Dann reiben sie sich die Füße. Dann gehen sie in eine Ausstellung über Fotos von Füßen. Trotz eines kurzen Auftritts von Hugh Jackman bekam ich Al Bundy nicht mehr aus dem Kopf: Ein Fall für Dr.Schuh!

Aber was für eine billige Assoziation für einen Film aus der Portokasse von Wendi Deng Murdoch. Dies ist ihr erster Versuch als Produzentin, ich kann nicht sagen, dass ich auf den zweiten gespannt bin.

Gegen Ende wird noch kurz mit der Idee gespielt, dass es für Snow Flower und Lily mehr hätte geben können als Freundschaft, aber so richtig scheint sich niemand dafür zu interessieren, die Frauen nicht, der Regisseur nicht und der Zuschauer ist da schon längst weggedriftet. Schude!