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Mario Martones Noi credevamo, das im Herbst 2010 kurz vor dem 150. Jubiläum der italienischen Republik herauskam, ist eine 2½stündige bebilderte Geschichtsstunde mit großen Schauspielern und edlen Kostümen. Toni Servillo als Giuseppe Mazzini,

Anna Bonaiuto als Cristina Trivulzio di Belgiojoso

Anna Bonaiuto als Cristina Trivulzio di Belgiojoso (die zwei, die kürzlich noch in Il Divo als Giulio Andreotti und Gemahlin zu sehen waren, vertreten hier zwei unterschiedliche Strömungen des Risorgimento) und viele, viele mehr. Es ist keine Schande, dass es Martone nicht gelungen ist, einen roten Faden für die Geschichte zu finden, die in der Realität mehrere Anläufe über mehere Jahrzehnte nötig hatte. Und heute wird wieder diskutiert, ob der Norden oder der Süden mehr zur Vereinigung Italiens beigetragen hat.

Aber wir sind noch 150 Jahre früher unterwegs: Da gibt es Aufruhr in der Oper, dort bastelt Felice Orsini eine Bombe, hier sitzen die Aufrührer im Verlies. Und wir sind wieder in London – dann in Paris, und – bumm! – die Bombe geht los.

Andrea Bosca, Francesca Inaudi, Edoardo Natoli

Der Film lohnt sich ab und zu wegen dem sonst hauptsächlich am Theater engagierten Salvatore Cantalupo (man kennt ihn als Zuschneider aus Gomorra) und wegen Francesca Inaudi als rebellischer Gräfin Belgiojoso (sie spielt sie in ihrer Jugend), aber man sieht zu wenig von der Historikerin, Reformerin, Salondame und Journalistin. Stattdessen gibt es einen fiktiven Nebenplot über einen Sizilianer, der die Frau seines Freundes belästigt.

Luigi Lo Cascio

Und dann kommt unser Held aus dem Gefängnis frei und schließt sich Garibaldi an. Die späteren Szenen der Desillusionierung des Revolutionärs (Luigi Lo Cascio, der in I cento passi den echten Rebellen Peppino Impastato gespielt hat) sind die bewegendsten, vielleicht, weil der Zuschauer da selbst schon so mürbe ist. Und dann ist sie da, die Einheit. War es das wert?