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Michale Boganim hat für ihr Tschernobyl-Drama einen interessanten Ansatz gewählt: Im ersten Teil zeigt sie die Katastrophe, im zweiten Teil die längerfristigen Auswirkungen auf die Bewohner der nahegelegenen Stadt Prypjat. Die gesundheitlichen Auswirkungen bleiben dabei nebensächlich, wichtiger sind ihr die Anziehung, die der verbotene Ort auf die ehemaligen Einwohner der heute verbotenen Zone hat. Prypjat ist kein Ort des Vergessens, es ist ein Ort der ewigen Erinnerung. Man muss Boganim und ihren Kameramännern Antoine Héberlé und Giorgos Arvanitis gratulieren, dass sie für das schon bekannte Grauen noch neue, überraschende Bilder findet.

Wir fühlen mit der jungen Braut Anya (gespielt von Olga Kurylenko), die traurig ist, weil ihr Bräutigam von der Hochzeitsfeier zu einem Brand beim Kraftwerk gerufen wird. Dabei wissen wir doch, dass es nicht nur ein Tag sein wird, den er in ihrem Leben verpasst. (Wie in Aleksandr Mindadzes schwächerem An einem Samstag spielt sich der Reaktorunfall im Hintergrund einer Hochzeit ab.) Leider hören wir im zweiten Teil zuviel von Anyas Gedanken, die sich überlegt, ob sie bei ihrem Geliebten in der Zone bleibt oder mit einem anderen Geliebten nach Frankreich geht: „Partir … revenir … aimer encore …“. Mon Dieu! Olga Kurylenko hat den Film mitproduziert, das mag diese ästhetische Entscheidung beeinflusst haben.

Ein unausgeglichener aber interessanter Film.

Der weiterführende Link:

Ein Artikel über die Babuschkas von Tschernobyl