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Was ist los mit den Argentiniern, dass sie in ihren Liebesgeschichten so weit zurückgehen müssen? Immer wieder gibt es Filme, in denen nach 3, 5, 10, 20 Jahren jemand wieder vor der Türe steht, aber Un amor ist schon der zweite argentinische Film, in dem jemand nach dreißig Jahren wieder auftaucht. Der erste war El Secreto De Sus Ojos, mit Ricardo Darín als Polizist, der einen dreißig Jahre zurückliegenden Mord noch mal aufrollt und seine Liebste wiedergewinnen will. Hier ist es Lisa, gespielt von Elena Roger.

Wir das Poster schon zeigt, stand sie zwischen den beiden Freunden („eigentlich mehr Brüder“) Bruno und Lalo. Im Grunde zeigt das Poster auch schon, wem ihr Herz gehört, aber allein wegen des sich resigniert verzehrenden, goldkettchentragenden Agustin Pardella als Lalo, der nach der Schule noch in der Autowerkstatt aushilft, lohnt sich der Film. Die Dreiecksgeschichte nimmt den Zuschauer nicht wirklich gefangen, man fragt sich eher, warum Lisa einen der beiden nach dreißig Jahren noch mal für dumm verkaufen muss. Noch dazu, da der andere immer noch im Ort ihrer Jugend, in Victoria (Entre Ríos) wohnt und immer noch derselben Profession nachgeht. Lieber Mechaniker als fünftes Rad am Wagen!

Die Szenen, die in der Jugend der Protagonisten spielen, sind viel stärker als die in der Jetztzeit, und es ist falsch von wem auch immer, nur die drei älteren Schauspieler auf dem Poster zu nennen.

Un amor ist ein netter Film, trotzdem erwarte ich, daß noch bessere Filme, aber ebenfalls mit einem Charakter, der nach dreißig Jahren noch etwas richten muss, aus Argentinien kommen werden. So lange liegt die Militärdiktatur nun mal zurück.

Uçan Süpürge

Der weiterführende Link

Historiker Jay Winter im BBC-Programm The Why Factor: Cultural Memory:

It takes about thirty years for social rules about what is not sayable, that which we don’t talk about, to become irksome, an albatross around the neck of the new generation. […] I think thirty years is a minimum.