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© Lactalis

Dieser Episodenfilm über diverse Pariser Paare (die Filmemacher danken der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur) räumt gründlich mit einem Klischee über Frankreich auf: Ich dachte immer, die Franzosen hätten es drauf, Affären zu haben. Sie würden mühelos Liebesgeschichten aneinanderreihen, die so leicht wie ein Soufflé und so spritzig wie Champagner wären. Stattdessen bekommt man hier Rhubarbe, Rhubarbe, Rhubarbe. Und wenn die Filmfiguren mal für einige kostbare Augenblicke still sind, tut uns der Erzähler aus dem Off die falsch verstandene Liebe, und erklärt uns was sie tun, sowie die Konsequenzen ihres Tuns.

Immerhin sind sie aber hübsch angezogen, mit hübschen Taschen und Schals, und hübsch eingerichtet. In dieser Einrichtung liegen sie vornehmlich zu dekorativen Zwecken, in einer Szene in Rock und BH am Notebook arbeitend. Wer liegt in Rock und BH vor seinem Notebook? Die Marionetten aus diesem Film.

Was habe ich im Leben falsch gemacht, dass ich nicht auch so eine Wohnung habe, fragte ich mich nach zehn Minuten, als die charmante Amélie (gespielt von der charmanten Judith Godrèche) nach Hause kommt. Aber als ich dann ihren Mann Ludovic vertieft in ein Innenarchitekturmagazin auf dem Sofa sitzen sah, dachte ich, irgendetwas muss ich dann doch richtig gemacht haben, dass ich nicht so einen Mann habe.

Das Kaliber der Darsteller macht an mancher Stelle die Blutleere ihrer Charaktere noch offensichtlicher. Gaspard Ulliel, den man schon als Mathildes große Liebe gesehen hat und als Flüchtling und Liebhaber von Emmanuelle Béart in André Téchinés Les Égarés, darf hier einen 08/15-Typen mimen, der sich nicht entscheiden kann, ob er die Beziehung zu seiner Freundin öffnen soll oder nicht. Dann schon. Dann nicht. Dann wieder schon. Wie mag es enden. Wen interessiert’s.

Laurent Stocker, der mit dem Zusatz „de la Comédie Française“ im Abspann erscheint, zieht allerdings dieselbe Nummer wie in Zusammen ist man weniger allein/Ensemble, c’est tout ab: Ein bißchen schüchtern, ein bißchen stotternd. Ist das also Comédie à la Française?

© Camino Filmverleih

Vielleicht ist es ja doch die Hölle, in der die Franzosen die Liebhaber sind.