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Im Jahre 2008 machte ein Fall aus Gloucester, Massachusetts Schlagzeilen – 18 Schulmädchen hatten angeblich einen Pakt geschlossen, schwanger zu werden und ihre Kinder gemeinsam aufzuziehen. Angeblich hatte mindestens eines die Dienste eines Obdachlosen dafür in Anspruch genommen.

Die Schwestern Muriel und Delphine Coulin haben sich von dieser Meldung zu ihrem Film 17 filles inspirieren lassen. Die Geschichte wurde in die Bretagne verlegt, wo man mit Lorient eine Stadt gefunden hat, die dem amerikanischen Vorbild ähnelt: ruhiger Hafen, hohe Arbeitslosigkeit.

© Arsenal Filmverleih

Es braucht nicht viele Bilder, um die Situationen der Mädchen zu skizzieren: Die Ödnis daheim, die Gruppierungen auf dem Schulhof, die blöden Erwachsenen. Die erste wird noch ungewollt schwanger, andere wollen dazugehören, dann entsteht eine Bewegung.

© Arsenal Filmverleih

Man schlägt sich an den Kopf wenn man Kinder mit einem dicken Bauch sieht, wenn sie sagen, dass sie Kinder wollen, damit sie jemanden haben, der sie immer liebt. Aber es heißt ja nur, dass sie dieselbe Lüge wie erwachsene Frauen geschluckt haben. Und ab welchem Alter sie dann plötzlich wahr wird, das hat noch niemand geklärt. Sie formulieren sogar eine eigene Utopie, wollen ihre Kinder gemeinsam aufziehen, damit sie wie Geschwister sind. Dass sie damit wirklich so viel weltfremder sind als andere Frauen die sich auf romantische Liebe verlassen, bezweifle ich. Ob die 17 Mädchen damit Erfolg haben, oder ob sie scheitern, das zeigt dieser Film.

Arsenal Filmverleih

Nicht nur die Mädchen – allen voran Louise Grinberg als Anführerin – sind hervorragend, auch Noémie Lvovsky, demnächst in Lebewohl, meine Königin zu sehen als hilflose Schulkrankenschwester ist wie gewohnt großartig.

Und was ist eigentlich aus den jungen Frauen in den USA geworden? Zuallererst hätten sie nie einen Pakt geschlossen, sie wären einfach so schwanger geworden, sagen sie. Das ist ja bei Teenagern in den USA nicht so ungewöhnlich. Der Schuldirektor in diesem katholischen Ort hätte sich die Geschichte ausgedacht, um davon abzulenken, dass er die Bemühungen der Schulkrankenschwester um Gratis-Verhütung für die Schülerinnen vereitelt hat. Das nächste Gesundheitsamt ist 30 km weit entfernt. Und ist so ein Teenager mal schwanger, schützen die Amerikaner bevorzugt das ungeborene Leben.

Das Schlusswort hat der Bruder eines der Mädchen. Als er hört, dass seine Schwester schwanger ist, fragt er sie: „Was wird es: Arbeitslose oder Soldat?“

17 Mädchen startet am 14. Juni in Deutschland.