Schlagwörter

, , , , , , , , , , ,

In der griechischen Mythologie trinken die Toten im Hades aus dem Fluss des Vergessens Lethe, um die Erinnerungen an das irdische Leben auszulöschen. „Greg F.“, ein Patient des Neurologen und Schriftstellers Oliver Sacks, wurde durch einen Gehirntumor an die Ufer des Lethe gebracht, konnte aber aus dem Reich der Toten wiederkehren. Er überlebte die Operation, verlor aber nicht nur seine alten Erinnerungen, sondern konnte auch keine neuen bilden. Im Film arbeitet er zusammen mit der Musiktherapeutin Dr. Dianne Daly, um zu den verschütteten Erinnerungen vorzudringen, stellt aber fest, dass viele davon, besonders die an die Beziehung zu seinem Vater, sehr schmerzhaft sind. Der Weg zur Heilung ist nicht immer nur positiv, ähnlich wie bei den Patienten aus Awakenings, die zwar aus ihrer Schlaf erwachen, dann aber feststellen müssen, dass ihnen Jahrzehnte ihres Lebens fehlten.

In der Rolle des Vaters sehen wir J.K. Simmons, nicht so verständnisvoll wie als Vater von Juno, und als Musiktherapeutin Julia Ormond, die mit Locken fast nicht wiederzuerkennen ist. Visuell ist der Film nicht immer so erstklassig wie bei der Besetzung, aber das kann auch an der grausigen Mode der 60er Jahre liegen: Paisley-Muster? Schmierig-brauner Grundton? Darauf einen doppelten Lethe!

Obwohl es ein-zwei unrealistische Töne gibt (der Vater tauscht seine Sammlung alter Platten im Laden gegen „alles was nach 1958 rausgekommen ist und laut ist“ – nie und nimmer, aber so plakativ, dass es natürlich im Trailer landet), ist The music never stopped doch ein glaubwürdiger Film, der zum Modethema Erinnerung viel zu sagen hat.

Wie vielschichtig dieses Thema ist, sieht man schon an Oliver Sacks selbst, der in der BBC-Sendung Desert Island Discs davon erzählt, dass seine Mutter, eine Chirurgin, ihn mit 14 dazu anhielt, eine junge Frau zu sezieren, woran er sich nicht mehr genau erinnern könne – er schreibt es einer gnädigen Verdrängung („merciful repression“) zu. Was ihm aber das Leben als Schiffbrüchiger auf einer einsamen Insel erträglicher machen würde, wären die lebhaften Erinnerungen an seine Patienten.