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© Warner Bros. GmbH

 Extrem laut und unglaublich nah nimmt Oskar Schell die Welt wahr und am 11.September, seinem sogenannten „schlimmsten Tag“, wird sie auch sein Vater so erfahren. Für ihn wird es sein letzter Tag und wie die Kinder in The Descendants bleibt Oskar mit dem „Reserve“elternteil, hier gespielt von Sandra Bullock, zurück. Um sich seinem Vater nahe zu fühlen, sucht er das Schloss, das zu dem Schlüssel passt, den er in dessen Schrank gefunden hat.

Ob er damit Erfolg hat oder nicht, ist einem bald egal, wenn nur diese ständige, alles überdeckende Musik (Alexandre Desplat) endlich aufhören würde! Desplat scheint momentan der Standardfilmkomponist zu sein, und obwohl ich mich damit auf glattes Eis begebe, möchte ich sagen: Zu viele Noten! Vor allem da dieser nicht enden wollende Ohreneinlauf die bemerkenswert guten Soundeffekte übertönt. Der wahre Künstler ist derjenige, der die New Yorker Kaffeehaussinfonie aus Straßenlärm, Türenschlagen, Konversation, Tellerklappern und Zischen einer Espressomaschine komponiert hat. Man fühlt sich direkt vor Ort versetzt, unglaublich nah quasi, und nicht nur extrem laut beschallt wie von der Musik, Oskars Gekreische und Tamburingerassel.

Dabei spielt Thomas Horn den oft anstrengenden Oskar erstaunlich gut. Stephen Daldry, der vorher Billy Elliott und The Hours gedreht hat, scheint ein Talent für die Führung von Kinderdarstellern haben.

© TFM Distribution

Ob er erwachsene Darsteller ebenso gut führen kann, ist im Fall von Tom Hanks schwer zu sagen, da mit Tom Hanks‘ Gesicht etwas geschehen ist und jetzt alle seine Gesichtszüge bis auf ein oder zwei Loks abgefahren sind. Die klinischen Tests auf Asperger wären in seinem Fall nicht eindeutig gewesen, informiert Oskar Schell Max von Sydow, den Untermieter seiner Großmutter. Zwei Symptome für Asperger sind begrenzte Mimik und eigenartig starrer Blick – wer da nicht sofort das maskenhafte Gesicht von Tom Hanks vor Augen hat, ist im falschen Film.

© Warner Bros. GmbH

In einer der besseren Szenen fühlt man seine Enttäuschung über seinen Sohn, aber sie zeigt Hanks im Gegenlicht, ohne dass man seine Gesichtszüge deutlich erkennt.

Aber was bedeutet schon nonverbale Kommunikation? Nach 129 Minuten Film läuft doch wieder alles darauf hinaus, dass wir uns öfter Ich liebe dich sagen müssen.