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 Normalerweise dreht Stefano Savona alleine und weit weg von seiner Heimat Palermo, zum Beispiel in Ägypten, wo er sich dank seines Ägyptologie-Studiums auskennt, oder im Gazastreifen. Für Palazzo delle Aquile nahm er sich weder Aufständische noch Krieger zum Thema. Geplant war, einfach einem sizilianischem Lokalpolitiker zu folgen, als sich die Ereignisse plötzlich zum Dramatischen wendeten. 18 obdachlose Familien, die bis dahin in Hotels untergebracht waren, wurden schriftlich informiert, dass sie ihre Unterkunft zu räumen hätten, weil die Gemeinde kein Geld mehr dafür hätte. Sie besetzten daraufhin das Rathaus, den titelgebenden Palazzo delle Aquile, und schworen, ihn erst wieder zu verlassen, wenn man ihnen Häuser anbieten würde, keine weiteren Hotels, keine Campingplätze. (1955 in Die große Schlacht des Don Camillo sah das noch witzig aus.)

Savona und seine beiden Mitstreiterinnen Ester Sparatore und Alessia Porto teilten sich in drei Schichten ein, um sicherzustellen, dass immer jemand im Rathaus bei den Besetzern war. Und so sehen wir sie auch wie sie schlafen, wie sie ihre Kinder wecken und in die Schule schicken, wie sie sich bei der Essensvergabe streiten und wie sie versuchen, den Bürgermeister zu stellen, der während der Besetzung seinem Rathaus seltsamerweise fernbleibt.

Die Licht- und Tonverhältnisse waren unter diesen Umständen natürlich schwierig und manchmal ist man zermürbt von noch einer Diskussion um die Essensverteilung, aber der 128 Minuten lange Film ist meistens spannend – werden die Familien die von der Mafia konfiszierten Häuser bekommen, die man ihnen in Aussicht gestellt hat, oder nicht? Wie lange halten sie die Besetzung durch?

Auch in den weniger dramatischen Augenblicken zeigt er uns sehr menschliche Momente, so zum Beispiel wenn eine Mutter von einer Versöhnung zwischen Mutter und Sohn im Realityfernsehen gerührt ist und deswegen ihren eigenen Sohn wegschubst. Die paar Minuten, in denen einer der Besetzer erzählt, wie die Zimmer in seinem Elternhaus aufgeteilt waren, sind ein kleiner Dokumentarfilm über Sizilien für sich.

Schwer zu glauben, aber dieser Vorfall war im restlichen Italien kaum bekannt. Die Parolen des jungen Lokalpolitikers (Beispiel: „Warum feiern wir hier eine Niederlage, wenn wir 3-4-5 Siege zu feiern hätten?“) kennt man überall.

Mein Lieblingsfilm des Festivals.