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 Die Kurzbeschreibung dieses Dokumentarfilms von Franco Brogi Taviani ist irreführend, es geht um so viel mehr als das Verhältnis der Italiener in Argentinien zur Oper. Zwar folgen wir einem italienischen Opernsänger auf Engagementsuche im neuen Land und hören von der dritten Generation der Immigranten, wie ihre Großeltern auf dem Feld Arien gesungen haben, aber streckenweise verliert der Film das Thema Oper ganz, und das ist nicht zu seinem Schaden.

Er lässt Menschen berichten, die vor Krieg und Hunger flohen, nur um sich in Argentinien nach Jahren unter einer Militärdiktatur wiederzufinden. Die alleine gingen, sodass ihre Kinder nie Onkels, Tanten, oder Großeltern kennenlernten. Die  im fremden Land verlacht wurden, weil sie so viel Gemüse aßen. Ein Land, das keine Rücksicht auf regionaltypische Unterschiede der größten Einwanderergruppe nahm – die Argentinier nannten alle neu Eingewanderten „Gringos“ oder „Tanos“, von Napoletanos. „Können Sie sich vorstellen, wie das meinen Großvater, einen Piemontesen, verletzte?“ Man kann es sich denken, wenn einem auch das Mitgefühl an dieser Stelle fehlen mag.

Es packt einen später, wenn eine Frau erzählt, dass ihr Vater in Auschwitz starb („kein Grab“) und ihre Tochter während der Militärdiktatur vom Flugzeug aus in einen Fluss geworfen wurde („wieder kein Grab“).

Der Tenor als roter Faden wirft eigene tontechnische Probleme aus – mehr als einmal lässt Taviani eine Arie ausblenden, während er auf das nächste Interview schneidet, aber ein Opernsänger lässt sich nicht so simpel ausblenden, er dominiert noch im Fade, sodass der nächste Interviewte schlecht zu verstehen ist. Man kann auch zu viel Tenor haben, und dieses Problem zeigt sich auch im Film, der behauptet, dass Oper und Tango sich ähneln, weil beide so sinnlich seien, aber in der folgenden Szene demonstriert der Tango singender Tenor, dass es zwei inkompatible Sinnlichkeiten sind.

Man würde dem Film eine bessere Kamera wünschen. Die Interviews sind schön gefilmt, aber bei Außenaufnahmen wird mehr als einmal von einem zitternden Schwenk auf den anderen geschnitten. Einer der beiden Kameramänner braucht eine ruhigere Hand. Aber vielleicht war auch er bewegt von dieser Geschichte.