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 „Mein flitterfreies Festival gefällt den Leuten“ zitierte die Stampa Festivalleiter Gianni Amelio, und da hat er auch recht. Das Festival wird von Jung und Alt gut angenommen, man stellt sich ohne zu murren auch für exotischere Filme lange an, selbst wenn gar nicht sicher ist, dass am Ende eine Karte dabei herausspringt. Besonders die Filme aus anderen italienischen Regionen sind bei den hier ansässigen italienischen „Gastarbeitern“ beliebt. Und wenn dann noch Luigi de Magistris, der Bürgermeister von Neapel, als Gast zur Premiere geladen ist, dann drängen sich die Neapolitaner vor dem Kino Massimo und rufen ihm ihr Feedback zu. (In Dialekt, nicht alles war für das  ungeübte Ohr zu verstehen.) Anlass war Enrico Carias Satire L’era legale, die Neapel im Jahr 2020 als Paradies rechtschaffener Bürger zeigt. Kein Müll, keine Mafia, sogar der Vesuv ist gezähmt. Und wer hat das alles geschafft? Der frühere Sträfling und neue Bürgermeister Nicolino Amore (Patrizio Rispo). Und die Lösung ist ganz einfach!

Das hätte ein witziger Film werden können, aber leider arbeitet er mit mehreren Holzhämmern gleichzeitig. Musik, Erzähler, Effekte, alles türmt sich so übertrieben dick auf wie ein neapolitanischer Müllberg und das Ergebnis ist Kopfweh.

„Ich habe schon lange keinen guten italienischen Film mehr gesehen.“, meinte der Mailänder neben mir und auch die Neapolitaner verließen ganz ungewohnt still den Saal.